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| Was sind Kreuzpfadfinder ? |
Wenn man VCPer auf Kreuzpfadfinder anspricht, bekommt man immer wieder zu hören, dass es sich dabei um ein Relikt aus alten CP-Zeiten handle, das nichts mehr mit der heutigen Pfadfinderarbeit zu tun habe. Kreuzpfadfinder, da ist schon der Name abschreckend, man stellt sich vor, dort moralische Handschellen von Superchristen angelegt zu bekommen, aber nichts genaues weiß man nicht... Es ist nicht einfach zu erklären, was Kreuzpfadfinder sind - am liebsten vergleiche ich sie mit unseren Schlemmerhajks, die in meinem Heimatstamm immer wieder ein großer Erfolg sind: Gegessen wird auf jedem Hajk und gekocht auch. Aber auf einem Schlemmerhajk wird darüber hinaus das Essen zelebriert. Jeder überlegt sich vorher, was er kredenzen will und bringt einen eigenen Kocher und die Zutaten dafür mit. Am Abend findet dann ein Kochwettbewerb statt und die Leute gehen herum und probieren die unterschiedlichen Gerichte. Dabei kommt es immer wieder vor, dass man einzelne Zutaten austauscht, dort noch eine Messerspitze Senf vom Nachbarn erhält oder dem anderen noch mit einer halben Zwiebel aushilft. Genauso sehe ich die Kreuzpfadfinder. Natürlich wird überall im VCP der Glauben gelebt, vielleicht vor allem gerade dann, wenn sich niemand Gedanken darüber macht. Bei den Kreuzpfadfindern haben sich Leute zusammengefunden, die gerne über den Glauben reden, unterschiedliche Kochrezepte und Erfahrungen damit austauschen. Dennoch gibt es dort keinen Eintopf, sondern jeder kocht für sich selbst. Und wie die Geschmäcker eben unterschiedlich sind, sind auch die Gerichte völlig unterschiedlich. Es gibt dabei kein besser oder schlechter, da niemand die Wahrheit für sich gepachtet hat. Aber es macht Spaß, sich auszutauschen und Neues auszuprobieren, es macht Spaß, in fremde Töpfe zu schauen. Doch wie sieht das dann in der Praxis aus? Die Ursprünge liegen in der alten CP-Arbeit, wo die Kreuzpfadfinder der sogenannte 4. Stand waren. Die Kreuzpfadfinderaufnahme war Voraussetzung dafür, um in der Stammesleitung zu arbeiten. Beim VCP sind die Kreuzpfadfinder eine Form der Erwachsenenarbeit. Kreuzpfadfinderrunden gibt es in ganz Deutschland, viele treffen sich monatlich, andere nur 2-3 mal im Jahr. Die sogenannte Dienstgemeinschaft ist das gemeinsame Forum für die Runden. Kreuzpfadfinder gibt es in allen C-Bünden, wie viele es sind, kann niemand genau sagen. Das Programm in den Runden wird durch Fragen, die man selbst mitbringt, gestaltet. So wird z.B. diskutiert, was denn die einzelnen Kirchen und der Gesetzgeber zum Thema Abtreibung zu sagen haben, gestaltet eine Arbeitshilfe für Andachten oder besucht eine Moschee. Viele Jüngere können mit ihrer Kirchengemeinde vor Ort nicht besonders viel anfangen, weil sie vielleicht öfter mal umgezogen sind, oder der Pastor nichts mit Jugendarbeit am Hut hat. Die Kreuzpfadfinder sind dann eine Möglichkeit, um mit seinen Fragen nach dem Sinn des Lebens nicht allein zu sein. Die herausragendsten Ereignisse bei den Kreuzpfadfindern sind sicherlich die Ostertreffen, die jedes Jahr von einer anderen Gruppe ausgerichtet werden. Die Ostertreffen sind sehr durch Taizé beeinflusst und man kommt sich dabei tatsächlich ein wenig wie im Kloster vor, nur dass man eben unter lauter Pfadfindern ist. Das ist auch das Schöne daran, obwohl viele von uns sich nur einmal im Jahr sehen, gibt es bei den Kreuzpfadfindern einen besonderen Zusammenhalt über Generationen und Regionen hinweg. Es ist eine Form des Lebenspfadfindertums. |